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Mensch und Tier auf dem Alten Forstamt

Mensch und Tier auf dem Alten Forstamt im Teutoburger Wald "Was wäre ist der Mensch ohne die Tiere? Wären alle Tiere fort, so stürbe der Mensch an großer Einsamkeit des Geistes. Was immer den Tieren geschieht, geschieht bald auch den Menschen. Alle Dinge sind miteinander verbunden. Was die Erde befällt, befällt auch die Kinder der Erde." Dies schrieb Häuptling Seattle – in seinem Brief Präsidenten der Vereinigten Staaten im Jahre 1855. Wie recht er hat, zeigt sich heute 158 Jahre nachdem der Häuptling diese Zeilen dem amerikanischen Präsidenten schreib. Diese Passage erinnert uns daran achtsam zu sein und die Mitgeschöpfe zu schützen, denn wie er ausführt, „was immer, mit der Natur (den Tieren) geschieht, geschieht bald auch den Menschen“. Das wird leider heute allzu oft vergessen, häufig geht es heute einfach um den schnöden Mammon und die Natur und Ihre Geschöpfe sind dann plötzlich zweitrangig. Beispiele kennen wir alle aus eigener Anschauung. Ein gutes Beispiel ist das Schicksal der Honigbiene. Viele Bienen sterben durch die rücksichtslose Verwendung von Pestiziden. Durch das „Bienensterben“ werden heute bereits bestimmte Früchte knapp. Zunächst geschieht den Tieren (Bienen) ein Ungemach und dann mit einer gewissen Verzögerung dem Menschen. Man schätzt, dass mindestens 10% der landwirtschaftlichen Produktion von der Arbeit der Bienen abhängt und es gibt sicherlich Tausende von weiteren Beispielen die aufzeigen, wie gross der Schaden ist, den wir Menschen unserer Umwelt zufügen. Häufig liegt die Unachtsamkeit daran, dass der Mensch bequem ist, nicht nachdenkt oder nicht sensibilisiert ist und er daher nicht bemerkt, was er anrichtet durch sein „Tun“. Wie Goethe schon schrieb, man schützt nur, was man kennt. Das ist meines Erachtens ein Schlüsselsatz - daher ist es wichtig, Kinder und Jugendliche zur Achtsamkeit gegenüber der Natur zu führen. Ein Urlaub auf dem Bauernhof oder der Besuch eines “Waldkindergartens“ oder Aktionen in Schulen die mit der Natur zu tun haben, helfen hier gewaltig. Denn zu wenige Kinder wachsen mit einem direkten Bezug zur Natur auf. Es kann helfen, Kindern möglichst viel von der Natur zu zeigen und Sie auf die Gefahren hinzuweisen, die der Umwelt drohen und man kann nur hoffen, dass dies Ihr zukünfiges Verhalten positiv beinflusst. Aber eigentlich sollte es in diesem Blog um die Beziehung zwischen Tier und Mensch gehen. Diese Beziehung ist uralt, denn seit Jahrtausenden hält der Mensch Tiere. Aus Grabfunden weiss man, dass der Mensch seit 15.000-20.000 Jahren Wolfsabkömmlinge (Hunde)hielt dann folgten die vor 10.000 Jahren Schafe (die übrigens vom Armenischen Mufflon abstammen sollten) und etwas später folgten dann weitere Tiere wie zum Beispiel Katzen die der Mensch seit mindestens 5000 Jahren hält. Das Raubtier Hund erwies sich als zähmbar und nutzte schon vor Jahrtausenden dem Menschen in vielerlei Hinsicht als Begleiter und Helfer bei der Jagd, als Schutz aber auch als treuer Freund und Gefährte. Auch heute noch kann man diese enge Beziehung zwischen Mensch und Tier besonders bei Hunden, Katzen und Schafen noch spüren. Haustiere, Nutztiere und Wildtiere gehören bei uns ganz selbstverständlich zum täglichen Leben dazu. Schon seit frühester Jugend durften wir Tiere halten und ohne Tiere zu leben ist für uns einfach nicht vorstellbar. Denn wenn man sie so unmittelbar erlebt und mit Ihnen lebt, weiss man um Ihre Bedürfnisse und Befindlichkeiten. Und die nötige Achtsamkeit kommt von ganz allein, denn man erfährt hier direkt, was man durch seine Aktivitäten bewirkt. Jeder der Haustiere hält weiss, was ich meine. Unsere Haustiere (Hund und Katzen) sind immer dabei, begleiten uns durch den Tag. Völlig selbstverständlich sind Sie dabei, verlangen Streicheleinheiten, fordern Futter,spielen, schlafen, beobachten uns, dezimieren Mäuse und unserer Tiere widmen sich Ihrer Rolle als Nacktschneckenvertilger (Gänse und Enten), machen sich im Garten "nützlich", scharren Moos auf, lockern den Boden, picken Käfer und andere „Läuschen“ (Hühner) und bereichern das Leben „Ihrer Menschen“ durch Ihre Persönlichkeit und geben sogar Ihre Meinung zu allem und jedem kund. All diese Tiere haben für die Kommunikation mit Ihren/Ihrem Menschen ein reiches Repertoire an Lauten, Gesten und Verhaltensweisen. Ein gutes Beispiel für die enge Verbundenheit zwischen Tier und Mensch ist das Erlebnis nach Haus zu kommen und von Hund und Katz begrüsst zu werden. Der Hund weiss schon lange bevor ein Mensch es auch nur ahnt, dass sich ein jemand von der Familie mit dem Auto dem Hof nähert, und zeigt dies durch sein Verhalten an. Der Hund erwacht, hebt den Kopf , steht auf, läuft zur Tür und kratzt an der Tür und er wedelt. Spätestens bei Betreten des Hauses wird dann eine grosse Willkommensszene abgespult diese besteht aus folgenden Elementen verbeugen, gähnen, wedeln, einholen von Streicheleinheiten, zum Napf rennen und vorwurfsvoll schauen..Nach dem Motto: „Du warst so lange fort, ich habe die Stellung gehalten, wie sieht es denn mit meiner Belohnung aus? Ich könnte schon wieder einen Happen Futter vertragen.. Katzen – Auch unsere 4 Katzen wissen ganz genau, was zu tun ist, die Chancen auf Futter und Streicheleinheiten zu erhöhen. Der freche schwarzweisse Katzenkobold „Igor“ sitzt dann schon erwartungsvoll auf der Sandsteinkugel draussen am Tor und hält Ausschau. Auch wenn er es nie zugeben würde, denn er will ein cooler Kater sein, hat er eine intensive Beziehung zu seinen Besitzern oder „Dosenöffnern“. Seine Willkommenszene ist immer gleich und Sie wird jedes Mal aufs Neue von Ihm inszeniert – die Szene besteht aus folgenden Elementen, klägliches Miauen, Blick hoch zu uns, sanftes am Bein entlangstreichen, Köpfchen geben, einholen von Streicheleinheiten, Begleitung des Familienmitgliedes zur Garderobe, ungeduldiges Abwarten, schnelles Vorausslaufen in die Wohnung – kurzes Verharren an der Schüssel, klägliches Miauen..bis es endlich Futter gibt. Danach geht Kater Igor dann wieder zur Tagesordung über oder führt das unterbrochene Nickerchen fort. Hühner – Die Hühnerschar unter der Leitung des kecken braunen Huhns „Clarissa“ und dem stolzen Hahn „Mütze“ begrüssen uns schon morgens an der Haustür. Ab ca. 06.30 Uhr versammelt sich das Hühnervolk vor der Tür und beginnt sich nett zu unterhalten und an den Blumen vor der Haustür zu zupfen um sich die Zeit zu vertreiben. Wenn sich dann endlich die Haustür öffnet unternehmen sämtliche Hühner, Clarissa und Oreo, allen voran sofort den Versuch in das Haus einzudringen. Die Tiere fordern ihren Tribut in Form von Körnern oder Brot für Ihre Geduld , bis jedes Tier etwas bekommen hat, kann man keinen Schritt tun, ohne dass die Hühner einen begleiten..Also beisst man in den sauren Apfel und leistet den gewünschten Tribut..damit haben die Hühner erreicht, was sie wollen. Sobald die Fütterung beendet ist, gehen die Tiere Ihrer Wege.Auch eine Art von Domestikation - hier domestiziert das Hühnervolk die Gattung Mensch! Kurzum, auf dem Alten Forstamt im Teutoburger Wald ist immer etwas los und es wird niemals langweilig. Mein nächster Blog wird sich mit dem Garten, Blumen und den Schafen widmen.. Kristin Wichert (Copyright)

Das Leben auf dem Lande

Das Leben auf dem Lande Was macht es eigentlich aus, das Leben auf dem Lande? Und warum fasziniert es moderne Menschen so sehr? Tagtäglich bemüht sich eine nahezu stündlich wachsende Schar von Büchern, Artikeln, Blogs, TV-Sendungen und Zeitschriften (wie Landlust, Landliebe, Landleben, Landküche,  etc.) auf diese Fragen eine Antwort zu liefern. Sie zeigen uns Hochglanzfotos und schöne Artikel oder reizende Geschichten von Menschen und Tieren und über das Leben auf dem Lande im Allgemeinen. Aber das ist nur eine Seite der Medaille, denn eigentlich zeigen all diese Publikationen oder Medien nur etwas, das wir in unserem technisierten und naturfernen Alltag schmerzlich vermissen, etwas Unverfälschtes und Echtes. Etwas, das uns zeigt, wie weit wir uns von unseren Ursprüngen entfernt haben, von den Dingen die das Landleben auszeichnen. Es sind die einfachen Dinge und die Klarheit und auch die Nachhaltigkeit der Dinge die man tut, die das Leben auf dem Lande für den stadt- und zivilisationsmüden Menschen so faszinierend machen. Die Nähe zur Natur, zu den Tieren, die ursprüngliche Gewinnung von Nahrung und Landbau (Korn, Gemüse, Obst, Eier und eventuell sogar Fleisch oder Milch) und die Nähe zu Jahreszeiten, Wetter und den Alltäglichkeiten der Natur. Das Landleben zeichnet sich aus, durch das unmittelbare Erleben von Wetter und Natur und Jahreszeiten. Man hat im Sommer plötzlich viel zuviele Johannisbeeren und muss tagelang einmachen oder einfrieren. Aber wenn man Lust hat, Salat zu ernten, dann ist das kein Problem, man geht in den Garten und erntet und die Kräuter gleich dazu. Einfach schön! Wir leben heute sehr nah an der Natur und empfinden es als Vorteil, aber das war nicht immer und nicht bei allen Mitgliedern der Familie so... Als meine Eltern 1977 das Alte Forstamt erwarben, war Ihr Ziel für die Familie ein Haus auf dem Land zu finden wo man ein naturverbundenes Leben führen, einen Garten anlegen und sich selbst mit eigenem Gemüse und Obst vesorgen kann Ausserdem suchten wir einen Platz für das Antiquariat meiner Mutter. Auch durfte das Haus nicht allzuweit von Paderborn entfernt sein, da unser Vater dort arbeitete. Wir Kinder fanden es zunächst nicht lustig von einer Kleinstadt (Bad Driburg) in der Nähe aufs „Platte Land“ zu ziehen. Auch das alte Haus fand nicht unsere völlige Zustimmung, wir fanden es stressig, dass es nicht zentralgeheizt war (und immer noch ist) und wir gezwungen waren im Winter in unseren Zimmern einen Kachelofen zu heizen. Holz holen aus dem Holzschuppen fanden wir auch nicht allzu ertrebenswert. Und die Lage des Hauses ausserhalb des Dorfes hatte die Konsequenz, dass wir morgens bei jedem Wetter mit dem Bus zur Schule fahren mussten. Und wenn wir uns mit unseren Freunden treffen wollten, bedeutete dies eine viel längere Anreise und gegebenenfalls musste man die Eltern überzeugen einen hinzufahren und wieder abzuholen. Zunächst also hatte das Landleben für uns Kinder nur Nachteile, aber nach kurzer Zeit änderte sich das..plötzlich konnte ich ein kleines Pony halten und mein Bruder hielt einen Hund und wir fanden es auf dem Land nicht mehr so schlecht. Und das Thema Freunde besuchen war kein Problem mehr, weil die es bei uns viel schöner fanden und gern vorbeikamen. Wir arrangierten uns mit dem Thema Fahrzeit zur nächsten Stadt oder ins Dorf, bekamen ein Fahrrad und wir waren zufrieden. Nach einigen Jahren machten wir dann den Führerschein und es war überhaupt kein Thema mehr, dass wir ausserhalb wohnten. Heute empfinde ich es als Glück auf dem Lande wohnen zu dürfen.allerdings mit ein paar Nachteilen. Noch immer ist der Winter auf dem Lande anders als in der Stadt, hier werden die Strassen, wenn überhaupt erst später geräumt und es kann ein Abenteuer sein, um 7.00 Uhr in die Stadt zu fahren. Das Leben auf dem Land erfordert halt immer noch ein wenig mehr Organisation, als das Leben in der Stadt. Man muss mehr uns besser organisieren. Einkaufen macht man nach der Arbeit auf der Heimfahrt und alle anderen Besorgungen auch. Aber positiv am Leben auf dem Land ist, dass es mittlerweile auf dem Lande an Kulturellen Möglichkeiten und Möglichkeiten etwas zu unternehmen keinen Mangel mehr gibt.. im Sommer findet das literarische Festival „Wege-durch-das-Land“ auf Burgen und Schlössern und Mühlen und Forsthäusern statt und im Winter gibt es allerorten Lesungen, Konzerte und interessante Veranstaltungen die den Besuch lohnen. Und wenn jemand in der Familie krank ist, gibt es in unserem Dorf eine hervorragende Allgemeinmedizinerin. Wir haben hier zwei Apotheken, einen Optiker, einen Zahnarzt, besagte Allgemeinmedizinerin, eine Gärtnerei, einen Blumenladen, 3 Einkaufsmärkte, Getränkemärkte, Kneipen, Cafes, eine grosse Halle, ein aktives Vereinsleben und last but not least einen grossen Bahnhof usw..es ist alles da..was man so braucht.. Aber der eigentliche Vorteil des Landlebens liegt woanders. Für mich liegt die Faszination des Landlebens in der engen Verbindung der Menschen mit der sie umgebenenden Natur und den Tieren. Wir erleben diese Verbindung ganz unmittelbar – wir haben auf der einen Seite die Nähe zum Wald und dessen Bewohnern, so kommt es vor, dass sich ein Reh auf den Hof verirrt, oder der Fuchs schaut auf der Wiese vorbei. Ausserdem halten wir Hühner, Schafe, Hund, Katzen und Tauben. Die Tiere erfordern viel Zeit und Pflege, aber man kommt zur Ruhe und es ist entspannend die Tiere zu füttern oder zum Beispiel einem Lämmchen die Flasche zu geben. Natürlich schränkt das die Freiheit ein, zuerst müssen die Tiere versorgt werden und zwar morgens und abends und erst dann kann man auf den Markt fahren oder etwas anderes unternehmen. Der Tagesablauf wird von den Bedürfnissen der Tiere bestimmt.Im Sommer kommt noch der Garten hinzu, der auch gepflegt werden will. Aber es macht viel Spass, mit den Tieren zu leben, die Tieren zu beobachten und für sie dazusein. Denn alle Tiere sind eigene Persönlichkeiten und selbst Huhn ist nicht gleich Huhn. Wir haben zum Beispiel eine rothaarige Henne, Klärchen die recht pfiffig ist. Klärchen ist sehr menschenbezogen und zahm und kommt sogar ins Haus (wenn die Haustür offen steht) um zu schauen, ob es eventuell für sie etwas zu fressen gibt. Dazu spricht Sie, sie plaudert förmlich und alle in unsere Familie wissen, wenn man diesen fröhlichen Laut hört, die skrupelose Klärchen ist im Haus. Dann rennen wir und expedieren Sie durch die Haustür wieder auf den Hof. Ehe Sie irgendwelchen Blödsinn in der Küche anstellt. Unsere Schafe geniessen die Gesellschaft Ihrer Schaffamilie – für ein Schaf gibt es nichts Schlimmeres, als allein zu sein. Eine Schafgruppe besteht zwar aus Individuen, sie empfinden sich aber als Gruppe, als Team. Die Schafe haben Ihren eigenen Tagesablauf, der besteht aus 4 Stunden fressen im Wechsel mit 4 Stunden ruhen. Die Schafe brauchen Zeit und Ruhe, um die Nahrung wiederzukäuen. Daher sieht man auf einer Wiese immer einige Tiere, die sich zum Beispiel unter einem Baum zurückziehen. Aber auch bei Schafen gibt es interessante Persönlichkeiten, bei uns ist eines dieser Schafe die Ausbrecherkönigin das Schaf „Warze* (*das Tier hat eine markante Warze auf der Nase, die Ihr das Aussehen einer Hexe gibt). Die Schafdame „Warze“ kann jede Stalltür öffnen, die nicht 100%ig geschlossen ist und Sie kennt sich gut aus mit Futtertonnen, die öffnet Sie trotz geschlossener Lasche und tut sich am Futter gütlich. Auch das ist ein Zeichen von Intelligenz und wir amüsieren uns über unsere Tiere. Dann gibt es die neugierigen Tauben die gern über den Garten schweben und dort Ausschau nach frisch in die Erde gebrachtem Saatgut halten – und sobald man den Rücken dreht, fressen Sie alle Erbsen, die man gerade gepflanzt hat. Man muss viel Humor und Geduld haben – aber auf alle Fälle sind die Tiere immer für eine Story gut. Das interessanteste am Landleben ist eigentlich auch, dass irgendwie Alles mit Allem zusammenhängt. Das wussten die Bauern schon vor Jahrhunderten, aber wir hatten das wohl zwischenzeitlich vergessen.. So zum Beispiel der schlaue Zaunkönig die an Regentagen im Stall Insekten jagt. Der Zaunkönig findet nur etwas zu fressen, wenn man eben man nicht allzusehr eingreift und eventuell Spinnenweben und die Spinnen im Stall nicht dauernd beseitigt. So lernt man schnell auf dem Lande, dass man sich jede Aktion überlegen muss und alles was man tut Auswirkungen auf die Natur hat. In meinem nächsten Blog (dem Frühjahrsblog des Alten Forstamtes im Teutoburger Wald) werde ich dann über Hund, Katzen und den Garten berichten. Wenn Ihnen mein Text gefallen hat, geben Sie mir Feedback – darüber freue ich mich sehr. Auch Fragen oder Hinweise beantworte ich gern! Ihre Kristin Wichert